Beim Wandern führt kein Wege am Wanderer selbst vorbei
Mit tiefem Atmen erreichen wir die Höhe. Der Horizont hat sich eindrucksvoll nach hinten verschoben. Mit leichtem Schritt auf Wiesenweg durch ein Eichenwäldchen. Der Regen der letzten Tage lässt an diesem grauen Tag die Farben explodieren. Hellgrüne Moose, türkise Baumflechten, ockerfarbene Steine, Hagebutten und erste buschige zartviolette Strauchblüten geben Farbenenergie ab. Hin und wieder bricht die Sonne durch. Breitet für Sekunden ihr Licht über die erdenen, von Wintergrün überzogenen Felder. Die üppige Weite des rheinhessischen Hochlandes lässt innehalten und staunen. Gleichgewicht und sicheren Stand suchend durch Matschstellen. Heulend treibt der Wind Wasserspritzer ins Gesicht. Sich selbst spüren, den Atem, das Herz, die Haut, die Beine. Der Duft feuchter Erde steigt in die Nase. Pferde auf der Koppel nehmen einem wahr, kommen zum Zaun. Regen prasselt auf die Kapuze. Drehe meinen Körper in den Windschatten. Querfeldein durch Wingert. Schlamm an den Schuhen hinterlassen wir auf dem frisch gewaschenen schwarzen Asphalt der Straße unsere Fußspuren; den Gau-Algesheimer Kopf verlassen wir über ausgesetzten, felsigen, schmalen Pfad hinunter zurück ins Dorf.
Wandern heißt, sich mit dem ganzen Körper auf die Natur einlassen. Mit Körper und Kopf eine Herausforderung meistern. Unmittelbar das eigene Tun spüren. Sich ausprobieren. Natur und Mensch und sich selbst in ein ehrliches Verhältnis bringen.
Was bedeutet Wandern für Sie? Ich freue mich auf Ihre Gedanken und Vorstellungen.