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Hüttentour aus dem Tal hoch! (Grenzgänger-Weg, Allgäuer Alpen)

Bus­bahn­hof Hin­de­lang. Der vordere Bus fährt nach Ober­joch. Da müssen s a bissl die Füß‘ in die Hand nehmen. Abfahrt in ein­er Minute! Der hin­tere Bus fährt nach Son­thofen. Den kön­nen s in Ruhe avisieren. Abfahrt in fünf Minuten.“ Was ein Heim­fahrt-Ser­vice-Hupferl für mich!

Hin­ter mir liegen drei Spät­som­mer-Früh­herb­st-Tage in der Gren­zre­gion zwis­chen Deutsch­land und Öster­re­ich. Drei Touren in den bayrischen und Tirol­er Bergen. Drei inten­sive Erleb­nisse auf einem der schön­sten Höhen­wege in den All­gäuer Alpen: dem neuen, sech­stägi­gen Gren­zgänger.

Auf dem Gren­zgänger geht es stetig aufwärts. Topographisch und wet­ter­mäßig. Auf­stieg am Tag 3 im Hin­ter­stein­er Tal. Den Sch­neck im Rück­en. (Foto: Thi­lo Kreier)

Wie? Sech­stägige Hüt­ten­tour in drei Tagen? Wow, Heike!

Gemach, gemach! Zur Pow­er­walken bin ich kaum mutiert, son­dern bin den hochalpinen, dur­chaus anspruchsvollen Gren­zgänger nach Heikes Heimat­wan­dern-Manier ange­gan­gen: mit Tages­touren, im eige­nen Rhyth­mus und — statt mehrere Tage hin­tere­inan­der auf dem Berg — täglich vom Tal aus hoch!

Hüt­ten­tour auf hofele Art“ wür­den die All­gäuer sagen. Was so viel heißt, wie eine her­aus­fordernde Sache mit Köpfchen, mit Bedacht ange­hen.

Eine Art des Berg­wan­derns, die für Bergfexe inter­es­sant ist, die erst­mal  ins anspruchsvollere Höhen­weg-Wan­dern auf plus minus 2000 Metern rein­schnup­pern wollen, die Wert leg­en auf ein eigenes Bett und eine warme Dusche oder für Fam­i­lien, Paare, bei denen einzelne Fam­i­lien­mit­glieder oder die Part­ner­in, der Part­ner zwis­chen­durch einen Tag alleine losziehen möchte, um anspruchsvollere Wan­derun­gen zu unternehmen, die zusam­men zum Beispiel aus Grün­den unter­schiedlich­er Leis­tungs­fähigkeit nicht möglich sind.

Was braucht’s, um eine mehrtägige Hüt­ten­tour in den Bergen mod­er­at und erleb­nis­re­ich Schritt für Schritt zu ent­deck­en, ohne gle­ich mit dem vollen Hüt­ten­touren-Pro­gramm zu starten?

Richtig! Einen Höhen­weg, der vom Ter­rain und land­schaftlich was her macht, viele, abwech­slungsre­iche Aus­sicht­en und Per­spek­tiv­en hat und der direkt und flex­i­bel Zustieg bietet. Also eine Hüt­ten­tour mit gemütlichen Pen­sio­nen, Hotels oder Ferien­woh­nun­gen im Tal sowie Etap­pen, die zu Fuß oder per ÖPNV ein­fach aus allen möglichen Rich­tun­gen zu erre­ichen sind, so dass du ihn je nach Gus­to in einzel­nen Abschnit­ten oder Pas­sagen gehen kannst.

Wander-Schleife in, durch und auf den Allgäuer Alpen

Die Weg­marke des Gren­zgänger zeigt eine blau-graue Acht. Sie ste­ht für die Far­ben der Land­schaft durch die er führt und den Ver­lauf dieses Höhen­wegs. Fast wie eine Schleife. Eine Berg­wan­der-Schleife in, durch und auf den All­gäuer Alpen.

Diese Geo­gra­phie macht die Hüt­ten­tour auch für Tages­touren inter­es­sant:

Der Gren­zgänger reist ober­halb und durch Täler, unter und über der Baum­gren­ze, mit einigem an schrof­fen Felsen und Gipfeln und behält dabei an jedem Punkt das typ­isch saftige Grün der All­gäuer Almen, Wiesen und Wälder sowie das Blau der Bergseen und wilden Wasser­fälle im Blick.

Älpelekopf (2024 Meter) im Hin­ter­stein­er Tal.

Der alpine Steig läuft von zu, statt von weg. Geht und kommt. Macht sich alleine auf, trifft sich und bleibt dabei in einem klar umris­se­nen Ter­rain.

80 Kilo­me­ter Weg auf 2000 Höhe. Drei Täler. Zwei Kreise.

Das große Rund der Acht im Nor­den umarmt das Hin­ter­stein­er Tal im bayrischen All­gäu und das Tannheimer Tal im Tirol­er All­gäu. Das kleine Achter­rund im Süden bleibt bei den Öster­re­ich­ern führt durch das Lech­tal um den höch­sten Berg der All­gäuer Alpen herum: den Hochvo­gel (2592 Meter). Exakt an der Stelle, an der die Run­den zur Acht wer­den, liegt das Prinz-Luit­pold-Haus; unweit der deutsch-öster­re­ichis­chen Gren­ze. Eine Relais­sta­tion für Gren­zgänger, die hier zwis­chen Etap­pen 3 und 4 über­nacht­en und am näch­sten Mor­gen in die jew­eils andere Runde der Acht wech­seln. Sowie ein äußerst beliebter Stützpunkt für alle anderen Bergfexe, die die schwungvolle Gren­zgänger-Welt der eige­nen Nase nach erwan­dern.

Gle­ich geschafft! So zeigt sich das Prinz-Luit­pold-Haus nach ein­er Stunde Auf­stieg über den Nor­mal­weg über Bärgün­dele Alpe.

By the way: Im Prinz Luit­pold-Haus auf 1.845 Metern [und jet­zt auch bei mir zu Hause an der Wand, gle­ich neben dem Schreibtisch] hängt direkt wenn Du reinkommst seitlich an der Wand die topographis­che Wan­derkarte im Maßstab 1.25000. Speziell mit drei­di­men­sion­aler Anmu­tung für den Gren­zgänger gefer­tigt!  Optisch und inhaltlich ein Vergnü­gen für alle, die Wan­derkarten lieben. Für mich eine nie ver­siegende Quelle der Inspi­ra­tion; auch zum Aus­bal­dow­ern von Tages-Touren zum und auf dem Gren­zgänger. Kosten­los bei Bad Hin­de­lang Touris­mus.

Schutzhüt­ten auf dem Berg zum Über­nacht­en zwis­chen den Etap­pen ist selb­stver­ständlich für eine Hüt­ten­tour. Der Gren­zgänger berührt jedoch auch in den Tälern jede Menge Orte, an denen Du heimelig unter- und zusam­menkommst. Adressen find­est Du beim Gren­zgänger.

Der Clou: Die Gren­zgänger-Basis­lager im Hin­ter­stein­er und im Tannheimer Tal sind mit einem gemein­samen Bus­netz ver­bun­den. Mit der Bad-Hin­de­lang-Plus-Karte erre­ichst Du die ver­schiede­nen Aus­gangspunk­te im Tal sowohl in Bay­ern als auch in Tirol von denen aus Du täglich direkt zum Gren­zgänger auf­steigen kannst (Ausgenom­men die Maut­straße zum Vil­salpsee, die ist ab Tannheim mit Alpen­ex­press oder 1 Stunde Fuß­marsch zu nehmen).

Hinterstein — Basislager direkt am Grenzgänger

Ein ide­ales Basis­lager für Gren­zgänger-Wan­dern aus dem Tal hoch ist Hin­ter­stein im Ostra­ch Tal.

Der Thi­lo, Blog­gerkol­lege und Chef beim Gren­zgänger-Pro­jekt, hat mich dort im geschmack­vollen und gast­fre­undlichen Chalet Pen­sion Hochvo­gel“ in Hin­ter­stein unterge­bracht. Nicht über­trieben! Ich bin pin­gelig bei der Art, wie ein Haus seinen Gästen begeg­net und sie beherbergt.

Das abgele­gene Bergdorf im Ostra­ch Tal ist sehr gut mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu erre­ichen. Denn Hin­ter­stein ist ein Ort­steil von Bad Hin­de­lang. Du kommst zuver­läs­sig den ganzen Tag hin und weg und hast die Hal­testelle in dem Dör­fchen in der Regel so gut wie vor der Haustür.

Das Ostra­ch Tal ist dem Hin­ter­stein­er Tal vorge­lagert. Daher startet in Hin­ter­stein der Bus, mit dem Du mehrmals täglich auf der Maut­straße bis fast ans Ende des 10 Kilo­me­ter lan­gen Hin­ter­stein­er Tals gelangst. Alter­na­tiv­en sind Gehen oder das Fahrrad. Pri­vatau­tos sind tabu.

Am Tal­bo­den hat das knud­delige Dör­fchen in der Som­m­er­sai­son einiges zu bieten: Füße in die eiskalte Ostra­ch steck­en, im Naturbeck­en Prinze Gumpe baden, sich bissl im skur­rilen Kutschen­mu­se­um gruseln, im Tante Emma-Laden kleine Einkäufe erledi­gen oder ein­mal im Monat der Har­moniemusik Hin­de­lang lauschen; wahre Kön­ner ihres Fach­es! Selb­st von der Ter­rasse mein­er Unterkun­ft aus zuge­hört!

Das Natur­bad Prinze Gumpe in Hin­ter­stein wird mit dem Berg­wass­er des Zipfel­bach­falls gespeist.

Hochalpin hast Du in Hin­ter­stein alle Möglichkeit­en auf den Etap­pen des nördlichen Bogens der Gren­zgänger-Acht zu wan­dern.

Mit dem Blick. Nur wenige Schritte ab Hin­terem Dorf sitzt Du auf ein­er der Ruhe­bänke am Rande san­fter Almwiesen und guckst Berge.

Oder mit einem Spazier­gang zum Willers­bach. Der entspringt rauschend, klar und kalt oben auf 1400 Metern unweit der Gren­zgänger-Sta­tion Willer­salpe auf den grü­nen Wiesen des Willers­bo­dens.

Unweit der Stelle im Tal, wo der Willers­bach in die Ostra­ch mün­det, auf der Brücke, die über sein wildes Wass­er führt, stehst Du bere­its direkt unter­halb des Gren­zgänger-Weges.

Leg‘ den Kopf in den Nack­en und schau‘ Rich­tung Osten. Jet­zt erspähst Du zwei Gipfel der Etappe 1: Bschiess­er und Pon­ten, die zwei markan­ten 2000er exakt auf der deutsch-öster­re­ichis­chen Gren­ze. Das Foto habe ich im Som­mer 2018 gemacht.

Das Gren­zgängern kann begin­nen! Komm‘ mit!

Drei Tagestouren auf dem Grenzgänger

Auf die Idee mit den Tages­touren hat mich der Ober-Gren­zgänger Thi­lo aufmerk­sam gemacht. Logisch: Als Pro­jek­tleit­er hat er jeden Zen­time­ter des Weges – zum Teil schon mehrfach — unter den Füßen gehabt. An einem Stück ist er die Acht allerd­ings noch nicht gegan­gen, hat er mir ganz ver­traulich ver­rat­en. Ich bin also in bester Gesellschaft!

Apro­pos Gesellschaft. An zwei Tourent­a­gen hat­te ich Begleitung und an einem Tag bin ich alleine gegren­zgängert. Meine zweite, alleine auf 2000 Metern-Wan­derung über­haupt.

Gibt kein schlechtes Wetter … (erster Tag)

Der richtige Berg-Wet­ter­bericht lässt keinen Raum für Speku­la­tio­nen. Für den ersten Touren-Tag sind null Son­nen­stun­den und mas­sig Regen vorherge­sagt. Gehe ich? Gehe ich nicht? Ich entschei­de am Vor­abend, mich am näch­sten Mor­gen zu entschei­den.

In der Früh zeigt der Blick aus dem Fen­ster mit dem schö­nen, war­men Sprossen­rah­men aus Holz ver­hal­te­nen Niesel. Damit soll­ten meine Regen­klam­ot­ten klarkom­men, denke ich zuver­sichtlich. Ver­passe auch dem Ruck­sack Regen­schutz, ziehe entschlossen die Tür des heimeli­gen Chalets zu und stapfe zügig zum nah gele­ge­nen Ein­stieg der geplanten Gren­zgänger-Tages­runde auf Etappe 1 des Gren­zgängers:

Ab Hin­ter­stein, über Willer­salpe (bewirtschaftet), Pon­ten, Bschießer und Zipfel­salpe (bewirtschaftet) zurück nach Hin­ter­stein (15 Kilo­me­ter, 1300 Höhen­meter direkt rauf und direkt runter, sprich ohne großes Auf und Ab zwis­chen­durch).

Im Hochge­birge bist Du ruck­zuck in den Wolken [oder auch darüber]. Von vorhere­in ste­ht fest: Von der Berg­welt werde ich an diesem Tag nicht viel sehen. Aber Pon­ten und Bschießer geis­tern mir schon seit einem Jahr im Kopf herum. Jet­zt endlich habe ich die Chance, die bei­den per­sön­lich ken­nen­zuler­nen!

Mys­tisch Stim­mung im Willers­bach­tal. Berg­wan­dern im Regen hat was. Willer­salpe geht bei jedem Sauwet­ter, motiviert mich der Gren­zgänger-Chef.

Sechs Vari­anten Regen hats im All­gäu, informiert mich der Thi­lo per Kurz­nachricht aus seinem trock­e­nen Büro. Daher weiß ich, mit diesen Vieren habe ich heute das Vergnü­gen: Es ren­gelt. Es soicht. Es schit­let. Es kieblet. In dieser Rei­hen­folge. Ohne Unter­brechung. Jede Menge Wass­er für den Zipfels­bach­fall in Hin­ter­stein. An dem über mehrere Fall­stufen stürzen­den Wass­er steigst Du unweiger­lich vor­bei, wenn Du ab Prinze Gumpe rauf willst zur Zipfel­salpe. Ich nähere mich ihr von oben.

Bilder sagen mehr als tausend Worte:

Die Wolken hän­gen im Willers­bo­den. Gle­ich bin ich an der Willer­salpe. Hin­ter dem Fel­skamm oben liegt übri­gens das Tannheimer Tal in Tirol.
Auf­stieg von der Willer­salpe zum Zier­leseck. Das Ziel vage vor Augen.
Grat zwis­chen Pon­ten und Bschießer. Das Unten im Nebel­weiß. Aus­blick gle­ich Null. Wie der Weg dort oben auf 2000 Metern beschaf­fen ist, kann ich demon­stri­eren.
Immer­hin gelingt das Bewe­is­fo­to am Bschiess­er.
Zurück vom ein­samen Nebel-Hatsch. Als nach­mit­tags die Zipfel­salpe unter mir in Sicht kommt, die ersten Kuh­glock­en ans Ohr drin­gen, bin ich fast durch!  

Nur noch, bzw. immer­hin sind meine Füße in den neuen Gore­tex-Wan­der­schuhen trock­en. Der Grat zwis­chen Pon­ten und Bschießer ist bezwun­gen und die heiße Dusche in der Pen­sion voll ver­di­ent!

Faz­it: Da muss ich nochmal hoch. Bei klar­er Sicht. Fotos vom mit Latschenkiefern bewach­se­nen Kamm zwis­chen den Gipfelkreuzen schießen. Aus­sicht ins Tannheimer Tal erhaschen.
Eigentlich weiß ich es, habe ja genug Erfahrung: Höhen­meter in den Alpen sind ein­fach anders als Höhen­meter im Mit­tel­ge­birge. Neben Kon­di­tion braucht es Trittsicher­heit und Schwindel­frei­heit für dieses Ter­rain.

Wichtig: Der Abstech­er zum fel­sige Pon­ten-Gipfel wird bei Nässe zur gefährlichen Rutsch­par­tie. Bei feuchter Wit­terung unbe­d­ingt mei­den!!!

Gren­zgänger-Tages­tour-Vari­a­tio­nen auf den Gren­zgänger-Etappe 6 und 1: Hin­ter­stein, Zipfe­lalpe, Isel­er Gipfel, Isel­er-Berg­bahn­sta­tion, Küh­gund­kopf, Küh­gun­drück­en, Wied­hag, Wan­nenkopf-Berg­bahn­sta­tion und weit­er über Untere Stu­iben Alpe und Zipfel­salpe zurück nach Hin­ter­stein. Die gesamte Runde dürfte unge­fähr 17 Kilo­me­ter betra­gen; mit den zwei Bergsta­tio­nen bieten sich attrak­tive Abkürzungsmöglichkeit­en an: Absteigen oder mit der Gondel runter ins Tannheimer Tal [teil­weise gilt Plus-Karte] und mit dem Plus-Karte-Bus zurück nach Bad Hin­de­lang.

Abends schickt mir mein Blog­gerkol­lege Björn diese Nachricht:

Ich hoffe, Du hast den WasserTag” heute gut über­standen. Ich darf Dich mor­gen begleit­en. Es geht in Rich­tung Vil­salpsee und dort entschei­den wir, ob wir Etappe 2 in Angriff nehmen, oder Teile von 3 und 4 machen. Bei­des führt zum Schreck­see. Da es ein langer Tag wird, schlage ich einen frühen Start vor. Fahren noch mit dem Auto in Rich­tung Tannheimer Tal (ca. 30 Minuten). Kannst Du um 7 Uhr schon startk­lar sein? Dann hole ich Dich ab.“

Grenzenlos wandern: Drei-Seen-Tour von Austria nach Bavaria (zweiter Tag)

In der Nacht soll der Regen aufge­hört haben. Ich schiebe die rotweiß-kari­erten Vorhänge zur Seite:  Stimmt! Der Regen hat sich in Nebel aufgelöst, der hängt jet­zt um sechs in der Früh noch tief im Tal.

Das Dor­fvieh macht sich unver­drossen auf den Weg zur Wei­de. Wass­er ist heute nur in Form von Bergseen zu erwarten. Björns gel­ber Bus ste­ht zur vere­in­barten Zeit vor mein­er Tür in Hin­ter­stein. Also los!

Die zweite Gren­zgänger-Tag­tour führt auf Teilen der Etappe 3 von Aus­tria nach Bavaria. Zum See der All­gäuer Seen. Dem Schreck­see:

Vil­salpsee (ab Hin­ter­stein über Bad Hin­de­lang mit Bus nach Tannheim, von dort mit Alpen­ex­press oder zu Fuß), Lands­berg­er Hütte, Kas­tenkopf, Kirchen­dachsat­tel, Schreck­see über Notab­stieg des Gren­zgänger runter zur Bussta­tion Auele“ über die Maut­straße zurück nach Hin­ter­stein (ca. 17 Kilo­me­ter, 1143 Höhen­meter rauf und 923 Höhen­meter runter)

Da hat jemand an Nebel­wan­der­er gedacht. Gelbe Weg­weis­er! Alles klar! (Foto: Björn Ahrndt)

Unklar bleibt allerd­ings, ob sich mein ersehntes Foto­mo­tiv zeigen wird. Denn wir wan­dern, steigen und klet­tern in den Wolken. Ich folge stoisch dem orangen Ruck­sack, der mir auf Björns Rück­en voraus sich­er den Weg zeigt. Wird schon!

Noch eine geniale Erfind­ung: Regen­schutz für den Ruck­sack in knal­li­gen Far­ben.
Wir krax­eln durch Kalk­stein. Unter­halb des Kas­ten­jochs auf 1800 Metern. (Foto: Björn Ahrndt)

Plöt­zlich lichtet sich das Ter­rain. Rechter Hand, vielle­icht 150 Meter unter uns, liegt wie hingeza­ubert ein saftiger, grün­er, schwin­gen­der Hochtal­bo­den. Mit­ten drin der kleine Alpsee. Und ganz am hin­teren Bil­drand, 700 Meter weit­er unten, zwis­chen Krap­penkopf und Geierköpfle blitzt tat­säch­lich unser Start­punkt von heute Mor­gen auf: der Vil­salpsee.

Meine Zuver­sicht macht einen deut­lichen Sprung nach oben!

Manch­mal kommt es, wie es kom­men soll. An diesem Tag ist manch­mal“. Das Glücks­ge­fühl geht mir durch Mark und Beine. Der let­zte Anstieg hoch zum Kirchen­dachsat­tel liegt unter mir. Ich passiere auf 1.924 Metern Höhe die deutsch-öster­re­ichis­che Gren­ze und set­ze meinen Fuß auf den Sat­tel­rück­en. Bühne frei! Der Nebelvorhang hat sich rechtzeit­ig für uns gehoben. Weit genug für dieses klare Bild zu meinen Füßen: der Schreck­see in all‘ sein­er Pracht und Aura. Blau und Grün schillert er. Die Wasser­ober­fläche ein perl­mut­ten­er Spiegel.

Jet­zt ver­ste­he ich seine Anziehungskraft. Seinen Zauber. Aber ich kann jet­zt auch sehr gut nachvol­lziehen, dass er ganz beson­derem Naturschutz unter­liegt, den es strickt zu acht­en gilt!

Schreck­see vom Kirchen­dachsat­tel an der deutsch-öster­re­ichis­chen Gren­ze.

Faz­it: Ein echter Gren­zgänger mit Gren­züber­gang. Eine anspruchsvolle Drei-Seen-Tour mit leicht­en Klet­ter­pas­sagen, die jedoch absolute Schwindel­frei­heit und Trittsicher­heit erfordern.

Obwohl bere­its kurz unter­halb des Schreck­sees das Ziel in Hin­ter­stein zum Greifen nahe scheint, liegt ein Abstieg vor mir, der sich einige Stun­den hinziehen wird. Die Knie ächzen. Zum Glück habe ich Stöcke dabei. Damit komme ich rasch voran. Über einen der Notab­stiege des Gren­zgänger ins Hin­ter­stein­er Tal.
Am Schreck­see tren­nen sich unsere Wege. Björn steigt zum Vil­salpsee ab. Ich habe genug vom Matsch-Hatsch und gehe über einen Notab­stieg des Gren­zgänger zurück nach Hin­ter­stein. Foto: Die erste Stufe ist geschafft. Wieder unter den Wolken. Hier tre­ffe ich andere Wan­der­er.

Unten auf der Maut­straße angekom­men liegen noch gute drei Kilo­me­ter Asphalt vor mir. Kaum zu glauben: Und im Jäger­haus auf hal­ber Strecke gibt es keine Schnitzel. Wäh!

Trostpflaster: Unter­wegs winkt mir Peter auf­munternd zu. Der fre­undliche Fahrer des Giebel­haus-Busses. Lei­der falsche Rich­tung. Wie ich ihn aus dieser net­ten Geste und unserem kurzen Blick­kon­takt her­aus ein­schätze: Ges­tran­dete in Rich­tung raus aus dem Tal lässt er hun­dert­prozentig auch auf der Strecke ein­steigen. Mit der Hin­de­lang-Plus-Karte fährst Du sog­ar kosten­los mit ihm nach Hause!

Wie auch immer: Die Mühe lohnt sich. Auf dieser Route soll man tolle Sicht­en auf die Gren­zgänger-Berge haben, vor allem auch auf den König der All­gäuer Alpen, den 2592 Meter hohen Hochvo­gel.
Mit eige­nen Augen durfte ich dieses Mal winzige, aber vielver­sprechende Auss­chnitte davon sehen. Die allein haben mein Berg­wan­derin­nen-Herz höher schla­gen lassen. Und erst der Blick aus der Toi­lette der Lands­berg­er Hütte! Best Örtchen-Blick ever!

Der Traualpsee aus der Damen­toi­lette der Lands­berg­er Hütte. :-)

Hüt­ten-Tour zum Rein­schnup­pern: Ich empfehle, diese Runde tat­säch­lich am Vil­salpsee zu starten. So lässt sich das Ziel entspan­nt ange­hen, ohne Druck abends zu ein­er bes­timmten Abfahrt­szeit des Busses vor Ort sein zu müssen. Ein Blick auf dem Fahrplan zeigt: Die Bus­fahrt von Hin­ter­stein an den Vil­salpsee kann län­gere Wartezeit­en unter­wegs bein­hal­ten [Alpen­ex­press]. Um im Tannheimer Tal mor­gens ganz früh starten zu kön­nen, wäre tat­säch­lich der Auf­stieg am Vor­abend zur sehr fre­undlichen Lands­berg­er Hütte (DAV) und eine Über­nach­tung [Mehrbettz­im­mer oder Matratzen­lager] dort eine über­legenswerte Idee.

Am drit­ten Tag mein­er Gren­zgänger-Expe­di­tion – ein Tag mit Kaiser­wet­ter (!) — schließen sich die Kreise zur besagten Acht. Ich bin ich mit dem Chef des Pro­jek­ts per­sön­lich auf einem Teil der Etappe 4 unter­wegs. Über einen wenig began­genen Zustieg geht es rauf zur besagten Relais­sta­tion“ Prinz-Luit­pold-Haus (PLH). Die Route und einige span­nende Hin­ter­gründe zum Gren­zgänger ver­rate ich Dir in ein­er eige­nen Sto­ry. Dem­nächst hier im Blog!

Gesamt­faz­it: Heike, bist du die san­ftere Tour gegan­gen?”, fragt mich eine Blog­gerkol­le­gin auf Face­book. Kön­nte man so sagen. Ein­er­seits. Ich bin drei Tages­touren gegan­gen. Sprich: Matratzen­la­gen und drei weit­ere Etap­pen­t­age habe ich nicht gemacht. Ander­er­seits. Der Gren­zgänger bleibt eine anspruchsvolle, alpine Etap­pen-Wan­derung in den All­gäuer Hochalpen. Mit Tages­touren lassen sich die Anforderung dem eige­nen Kön­nen etwas anpassen. Tages­tour heißt aber auch: Jeden Tag rund 1000 Höhen­meter rauf (direkt) und rund ebenso­viel runter (direkt) steigen. Für den Gren­zgänger braucht es für alle Routen und Etap­pen: Trittsicher­heit und Schwindel­frei­heit und eine gewisse Kon­di­tion. Es han­delt sich durchge­hend um Hochge­birgs-Wan­der­wege bzw. -Wan­der­steige im roten Schwierigkeits­grad (Details beim DAV; nicht mit Mit­tel­ge­birge zu ver­gle­ichen). Der Abstech­er zum Hochvo­gel gehört nicht zum Gren­zgänger und ist schwarz” markiert. Zwis­chen­drin gibt es immer wieder Pas­sagen, die entspan­nter sind. Klar. Zum Schreck­see (Tages­tour ab Hin­ter­stein) ist z.B. ist es rel­a­tiv ein­fach hoch zu kom­men, aber runter — vor allem für Ungeübte — für die Gelenke und Ober­schenkel­musku­latur schon fordernd wegen Steil­heit, Wegbeschaf­fen­heit und Dis­tanz, vor allem bei Nässe.

Katzensprung ins Hochalpine

Das Ende ein­er Acht ist gle­ichzeit­ig ihr Anfang.

Die Fahrt zum Gren­zgänger begin­nt, wie sie endet.

Ein kurz­er Flash­back am Schluss. Echt bemerkenswert. Deshalb.

Drei Tage vor der Kaiser­wet­ter-Tour am Bus­bahn­hof Hin­de­lang:

Wo geht’s denn hin? Nach Hin­ter­stein! Da nehmen s den Bus dort drüben am Warte­häuschen, der kommt in weni­gen Minuten!“

Sind die so oder müssen die so sein?“, schießt mir durch den Kopf.

Fre­undliche, mit­denk­ende Bus­fahrer? Hal­lo! Wo gibt es denn so was? Wie bei der Heim­fahrt später über­raschen mich die All­gäuer Bus­fahrer mit ihrer auf­fal­l­end zuvork­om­menden Art schon auf der Anreise.  Obwohl Bay­ern Regio von Ulm ver­spätet in Son­thofen ankommt, erre­iche ich wegen dieser kleinen mündlichen Ori­en­tierung­shil­fe rei­bungs­los den Anschluss­bus nach Hin­ter­stein im Ostra­ch Tal.

Von Anfänger bis anspruchsvoll: Gren­zen­los­es Wan­dern dank ÖPNV ab Haustür. Bushal­testelle Hin­ter­stein.

Zugegeben, die Reise mit der Deutschen Bahn kann eine Grenz-Erfahrung sein, was Zuver­läs­sigkeit und Ser­vice anbe­langt. Erstaunlicher­weise ver­lief die Bah­n­reise abge­se­hen von nor­malen Unwäg­barkeit­en dieses Mal erstaunlich ein­fach. Ver­glichen mit der Stauorgie auf der Auto­bahn bei der Fahrt ins All­gäu let­ztes Jahr: ein Träum­chen!

Spätestens ab Son­thofen ist dieser Spuk sowieso vor­bei. Weil der ÖPNV Rich­tung Bad Hin­de­lang und weit­er in die Täler richtig gut funk­tion­iert. Statt Grenz-Erfahrung erwartet Dich gren­zen­los­es Gren­zgänger-Vergnü­gen.

[Da siehst Du mal, wie ein smarter Marken­name für einen Höhen­weg, die Hirnzellen ein­er Wan­der-Blog­gerin zum Vib­ri­eren bringt. 😊]

Auch zeitlich vergib­st Du Dir nichts: Die Reise mit Bahn und Bus von Mainz aus auf die Ter­rasse vor meinem Zim­mer in Hin­ter­stein mit Lat­te Mac­chi­a­to, selb­st­ge­back­en­em Kirschkuchen der Wirt­sleute und Kuh­glock­en-Sound ist ein Katzen­sprung.

In fünf Stun­den vom Rhein an die alpine Ostra­ch. Die Gehzeit ein­er eher kurzen Gren­zgänger-Tages­tour. So what!

Frühzeit­ig, mit bissl Geduld und Ent­deck­ergeist auf der Web­site der Bahn ges­tartet, bist Du schon mit 25 bis 35 Euro ein­fache Strecke auf direk­tem Weg in die Gren­zgänger-Welt. Nicht schlecht Herr Specht!

Immer wieder gerne!

Die Geschichte von der gren­züber­schre­i­t­en­den Hüt­ten­tour auf 2000 Metern Höhe, die Dir auch für Tages­touren aus dem Tal her­aus unendliche Möglichkeit­en bietet, das Herz der All­gäuer Hochalpen zu Fuß zu ent­deck­en, geht weit­er.

Gle­ich zwei mein­er Blog­gerkol­le­gen waren im August auf dem Gren­zgänger unter­wegs. Hier liest Du ihre Erleb­nisse:

Über Gren­zen – auf dem hochalpinen Gren­zgänger Wan­der­steig (Out­doorsüchtig)

Mein Scheit­ern auf dem Gren­zgänger – Entspan­nt geht anders
(Der Entspan­nende)

Zu dieser Recherchereise hat mich das Gren­zgänger Pro­jekt der Bad Hin­de­lang Touris­mus ein­ge­laden. Dafür bedanke ich mich recht her­zlich beim Chef per­sön­lich! Thi­lo, das hast Du per­fekt für mich organ­isiert! :-) Ein großes Dankeschön auch an Björn für die Geduld, das Vor­wegge­hen und die schöne Tour am zweit­en Tag! :-) Danke Euch auch für die Fotos von mir!!! Artikelfo­to: Björn Ahrndt.

Autor:

Als zertifizierte Sport-Mentalcoach wandere ich alleine und mit meinen Kunden. Spezialisiert habe ich mich auf Bergwanderer und Outdoorsportler mit hohem Sicherheitsbedürfnis, u. a. auf steilen, rutschigen + unebenen Ab- und Aufstiegen, an ausgesetzten Stellen, beim alleine Wandern, Navigieren und Orientieren sowie Langstreckenwandern und Basetrail Running. Abonniere meinen Newsletter, verschenke einen Gutschein oder unser Buch Rheinhessische Spazier-Gänge.

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